Biogaserzeugung in Dänemark

Laut dem Branchenverband Biogas Danmark gibt es derzeit knapp 200 Biogasanlagen in Dänemark. Viele davon betreiben eine Aufbereitungsanlage, um aus dem Rohbiogas Biomethan zur Einspeisung in das Gasnetz herstellen zu können. Bei den derzeit 100 Anlagen, die landwirtschaftliche Reststoffe verwerten, ist es mehr als die Hälfte. Und der Ausbau geht weiter. Gegenwärtig gibt es laut Biogas Danmark eine Menge Aktivitäten bei der Planung sowohl neuer Biogasanlagen als auch für Erweiterungen von bestehenden Anlagen. Es handelt sich dabei um etwa 70 Projekte, mit einem Gesamtpotenzial von 35 Peta-Joule Biogas.

Im Jahr 2021 wurde in Dänemark Biomethan mit einem Energieinhalt von 26 Peta-Joule oder umgerechnet 7,2 TWh erzeugt. Das entspricht rund 25 % des vorjährigen dänischen Erdgasverbrauches. Im heurigen Jahr ist dieser Anteil weiter gewachsen und soll derzeit bereits 40 % ausmachen. Nach einer Neuregelung des Fördermodells im Jahr 2012 kam es zu einem starken Anstieg der Biogaserzeugung. Sie hat sich im Zeitraum 2014 – 2021 mehr als verfünffacht – von etwa 5 Peta-Joule im Jahr 2014 auf 26 Peta-Joule im Jahr 2021.

Große Anlagen senken Betriebskosten

Auch in Österreich gibt es viele Biogasanlagen – mehr als 400, also doppelt so viele wie in Dänemark. Sie erzeugten 2020 aber nur einen Bruchteil der Biogasmenge von Dänemark: Es waren lediglich 1,5 TWh bzw. 5,4 Peta-Joule. Nur 14 Anlagen speisen derzeit aufbereitetes Biomethan in das Gasnetz ein: Im Vorjahr waren es 137 GWh, in den ersten neun Monaten des Jahres 2022 betrug diese Menge 105 GWh.

Ein Grund für die im Vergleich zu Österreich hohen Produktionsmengen in Dänemark liegt in der Größe der Anlagen. Die Biogaserzeugung wird dort im großen Stil betrieben. Das wäre, so ÖVGW-Geschäftsführer Michael Mock, auch in Österreich notwendig. Ein Beispiel dafür ist das Unternehmen Nature Energy. Es wurde 1979 von Kommunen für die Erdgasversorgung gegründet und ist seit 2018 im Besitz von privaten Investoren – darunter ein dänischer Pensionsfonds mit mehr als 300.000 Kunden. Nach Veräußerung der Bereiche Gasnetzbetrieb und Versorgung wurde die Erzeugung von Biogas zum alleinigen Geschäftsmodell.

Nature Energy betreibt zurzeit 12 Biogasanlagen in Dänemark und 1 in Frankreich und beschäftigt 400 Mitarbeiter. 2021 wurden 158 Millionen m3 Biogas erzeugt; im heurigen Jahr will man dieses Ergebnis noch übertreffen. Insgesamt will man 2022 mehr als 4,4 Millionen Tonnen Biomasse – zum größten Teil Abfälle und Reststoffe aus Landwirtschaft, Industrie und Haushalten – verarbeiten und so 181 Millionen m3 Grünes Gas produzieren und in das Gasnetz einspeisen.

Nach eigenen Angaben betreibt Nature Energy einige der weltweit größten Biogasanlagen, die jeweils jährlich bis zu 700.000 Tonnen Bioabfälle verarbeiten können. Die Produktion in Großanlagen macht es möglich, neben den Planungs- und Investitionskosten, vor allen die Betriebskosten zu senken – im Verhältnis zur erzeugten Menge. Denn anders als bei Wind- und Solaranlagen dominieren bei Biogasanlagen nicht die Investitionskosten für die Errichtung, sondern die Betriebskosten – und da vor allem die Aufwendungen für die Beschaffung und die Logistik rund um die Rohstoffe.

Nature Energy betreibt ein Geschäftsmodell, für das die Bezeichnung Build, Own and Operate gewählt wurde. Man ist stolz darauf alles selber zu machen: von der Auswahl des Standortes über die Errichtung und den Betrieb, bei dem man die regionalen Ressourcen verwerten und Menschen aus der Region beschäftigen will. Dieses Geschäftsmodell möchte man auch in anderen europäischen Ländern sowie in Nordamerika umsetzen und dort in große, neu zu errichtende Biogasanlagen investieren. Nature Energy investiert zudem intensiv in die Forschung und betreibt unter anderem ein eigenes Labor, in dem an der Verfeinerung der angewendeten Technologien gearbeitet wird. Forschungsziele sind u.a. die Optimierung der Energiegewinnung aus Biomasse sowie des erzeugten Düngers.

> Video, Tagesschau 12.11.2022: Dänemark nutzt Biogas zur Deckung seines Gasbedarfs für die Energiewende.