Auf der IAA Transportation in Hannover haben acht Unternehmen aus Fahrzeugbau, Energie, Infrastruktur und Zulieferindustrie eine gemeinsame Initiative zum Aufbau eines Wasserstoff-Ökosystems für den schweren Straßengüterverkehr vorgestellt. Ziel ist es, die Voraussetzungen für eine breite Nutzung wasserstoffbetriebener Fahrzeuge bis 2030 zu schaffen.
Beteiligt sind Daimler Truck, Volvo Group und Toyota Motor Corporation, der Zulieferer Bosch sowie die Energie- und Infrastrukturunternehmen Air Liquide, TotalEnergies, MB Energy und Teal Mobility. Gemeinsam wollen sie die gesamte Wertschöpfungskette abdecken – von den Fahrzeugen über die Betankungsinfrastruktur bis zur Versorgung mit Wasserstoff zu wettbewerbsfähigen Preisen. Nach Angaben der Unternehmen ist dies der erste Versuch in Deutschland und in Europa, die für die Skalierung der Wasserstoffmobilität erforderlichen Bereiche in einem gemeinsamen Ökosystem zu bündeln.
Drei Hebel für den Markthochlauf
Im Mittelpunkt stehen drei Voraussetzungen: Erstens sollen die Kosten für Wasserstofffahrzeuge durch Fördermaßnahmen und die zunehmende Serienproduktion sinken. Zweitens soll eine leistungsfähige Lieferkette wettbewerbsfähige Wasserstoffpreise ermöglichen. Drittens sollen politische Anreize wie Mautbefreiungen für CO₂-freie Fahrzeuge den Einsatz in Flotten fördern.
Die Initiative setzt damit bei einem zentralen Problem der Wasserstoffmobilität an: Fahrzeuge, Tankstellen und Wasserstoffversorgung müssen gleichzeitig verfügbar sein. Nur wenn diese Elemente zusammenspielen, können für Spediteure wettbewerbsfähige Betriebskosten erreicht werden. Wasserstoff wird dabei als Ergänzung zur batterieelektrischen Mobilität gesehen – insbesondere für Transporte mit großen Reichweiten, hoher Nutzlast, kurzen Betankungszeiten und hoher Fahrzeugverfügbarkeit.
Toyota entwickelt neue Brennstoffzellengeneration
Auch Toyota setzt auf die Brennstoffzellentechnologie und stellte auf der IAA eine neue Generation von Brennstoffzellen vor. Der Konzern verfolgt dabei einen technologieoffenen Ansatz und entwickelt sowohl batterieelektrische Fahrzeuge als auch Brennstoffzellenantriebe.
Die neue Brennstoffzelle soll in unterschiedlichen Größen und Bauformen angeboten werden. Ein kompaktes Modul mit 110 kW ist für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge vorgesehen. Zum Einsatz kommen soll es unter anderem im Toyota Hilux Fuel Cell. Der Pick-up wurde Ende 2025 vorgestellt und soll Mitte 2028 auf den Markt kommen.
Toyota sieht Brennstoffzellen insbesondere für Anwendungen, bei denen lange Einsatzzeiten, hohe Lasten oder große Entfernungen die Möglichkeiten batterieelektrischer Fahrzeuge einschränken. Darüber hinaus arbeitet Toyota im Rahmen des EU-Projekts „Empower“ mit Iveco zusammen und liefert das Brennstoffzellensystem für eine neue Generation von Brennstoffzellenfahrzeugen des italienischen Herstellers.
Daimler Truck erprobt Wasserstofffahrzeuge
Daimler Truck treibt die Entwicklung von Brennstoffzellen-Lkw voran. Mit dem Mercedes-Benz NextGenH2 war auf der IAA bereits ein entsprechendes Fahrzeug zu sehen. Ab Ende des Jahres will Daimler Truck zudem eine Kleinserie von Wasserstofffahrzeugen im realen Betrieb bei Kunden erproben.
Für den wirtschaftlichen Einsatz ist nach Ansicht von Daimler-Truck-Chefin Karin Rådström vor allem der Wasserstoffpreis entscheidend. Sie nannte einen Zielwert von sechs Euro je Kilogramm Wasserstoff aus erneuerbaren Energien. Damit soll eine Grundlage geschaffen werden, auf der sich der Betrieb von Wasserstoff-Lkw gegenüber konventionellen Antrieben wirtschaftlich darstellen lässt.
Infrastruktur entscheidet mit
Mit ihrer Initiative wollen die acht Unternehmen deshalb nicht nur neue Fahrzeuge entwickeln, sondern parallel die notwendige Infrastruktur schaffen. Für den Einsatz von grünem Wasserstoff im Schwerlastverkehr sind ausreichende Produktionsmengen, ein dichtes Tankstellennetz und wettbewerbsfähige Preise entscheidend.
Die kommenden Jahre werden damit zeigen, ob Fahrzeughersteller, Energieunternehmen und Infrastrukturbetreiber den Hochlauf gemeinsam voranbringen können. Mit den angekündigten Fahrzeugen und der Kooperation entlang der gesamten Wertschöpfungskette sind dafür wesentliche Bausteine in Entwicklung.