Am 9. Oktober veranstalteten Gas Connect Austria und TAG GmbH zum zweiten Mal den „NETZDIALOG:GAS.WASSERSTOFF“. Expertinnen und Experten aus Industrie, Energiewirtschaft und Krisenvorsorge sowie die Energiesprecher der Parlamentsparteien erörterten, welche Bedeutung bestehende Gasfernleitungen künftig für Wasserstoff und andere erneuerbare Gase haben und welche Rahmenbedingungen für die Transformation erforderlich sind.
Wasserstoffmarkt braucht Infrastruktur und klare Regeln
Ein zentrales Thema war die künftige Versorgung Europas mit Wasserstoff. Zwar will die EU ihre heimische Produktion ausbauen, zur Deckung ihres Gesamtbedarfs wird sie jedoch voraussichtlich erhebliche Mengen importieren müssen. Aufgrund seiner geografischen Lage an potenziellen Importkorridoren aus Nordafrika und der Ukraine könnte Österreich eine wichtige Rolle im europäischen Energiesystem übernehmen.
Für die Industrie ist CO₂-neutral erzeugter Wasserstoff ein wichtiger Ansatzpunkt, um Produktionsprozesse zu dekarbonisieren. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass ausreichende Mengen zu wirtschaftlichen Preisen verfügbar sind. Zugleich wurde die Bedeutung einer diversifizierten Energieversorgung für die Resilienz von Staat, Gesellschaft und Industrie betont. Eine entsprechend angepasste Gasinfrastruktur könnte zusätzliche Bezugsquellen erschließen und somit die Versorgungssicherheit stärken.
Wasserstoff wurde außerdem als Speichermedium für erneuerbare Energien diskutiert. Er ermöglicht die Speicherung von überschüssigem Strom, der zu einem späteren Zeitpunkt bereitgestellt werden kann.
Neben den technischen Fragen standen die politischen und regulatorischen Voraussetzungen im Mittelpunkt. Im zweiten Panel diskutierten die Energiesprecher der Parlamentsparteien über die künftigen gesetzlichen Rahmenbedingungen. Dabei ging es insbesondere um die Schaffung eines Wasserstoff-Startnetzes, dessen Finanzierung sowie die Abstimmung zwischen dem nationalen und europäischen Infrastrukturaufbau. Auch die grenzüberschreitende Einbindung Österreichs als wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung des Wasserstoffmarktes wurde angesprochen.
Perspektive der Fernleitungsbetreiber: Bestehende Netze weiterentwickeln
Für die Veranstalter, die Gas Connect Austria GmbH und die TAG GmbH, ist die Nutzung der vorhandenen Fernleitungsinfrastruktur ein wichtiger Ansatz, um den Umbau des Energiesystems zu unterstützen. Die Betreiber verweisen auf die Möglichkeit, bestehende Leitungen schrittweise für Wasserstoff und andere erneuerbare Gase anzupassen. Reverse-Flow-Fähigkeiten und die Nutzung für unterschiedliche Energieträger könnten die Flexibilität der Netze erhöhen. Perspektivisch sehen die Betreiber auch Potenzial für den Transport von CO₂.
Dadurch ließen sich Zeit, Kosten und Ressourcen sparen, da nicht alle Transportwege neu errichtet werden müssten. Voraussetzung ist allerdings die technische Anpassung der Leitungen.
Isabella Pichler-Olearczyk, Geschäftsführerin der TAG GmbH, erklärt: „Mehr erneuerbare Energien erhöhen den Bedarf an Flexibilität, Ausgleich und Speicherung. Erdgas und Grüne Gase können dabei Versorgungslücken schließen und so den Ausbau der Erneuerbaren unterstützen. Unsere Pipelines sind energieträgerneutral: Sie transportieren aktuell Erdgas und könnten in Zukunft auch Wasserstoff befördern. Damit schafft die Infrastruktur von heute die Grundlage für die Energiewelt von morgen.“
Auch Stefan Wagenhofer, Geschäftsführer von Gas Connect Austria, unterstreicht den Wert der bestehenden Netze: „Unser Fernleitungsnetz wurde für Generationen gebaut – und es kann auch den kommenden Generationen dienen. Wenn wir bestehende Leitungen schrittweise für Wasserstoff und erneuerbare Gase fit machen, sparen wir Zeit, Kosten und Ressourcen und stärken gleichzeitig die Versorgungssicherheit in Österreich.“
Politik muss verlässliche Rahmenbedingungen schaffen
Aus Sicht der Betreiber hängt die Umsetzung jedoch von verlässlichen gesetzlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab. Insbesondere die Ausgestaltung und Finanzierung eines Wasserstoff-Startnetzes sowie die Abstimmung mit der europäischen Infrastrukturentwicklung müssen noch geklärt werden.
Valerie Hackl, Geschäftsführerin von Gas Connect Austria, fordert daher eine rasche gesetzliche Grundlage: „Die Umsetzungsfrist der EU-Richtlinie ist bereits verstrichen – jeder weitere Tag bringt Österreich ins Hintertreffen. Jetzt braucht es rasch ein neues Gaswirtschaftsgesetz mit klaren Regeln für Wasserstoffnetze und deren Finanzierung. Nur mit Planungs- und Investitionssicherheit können wir die Infrastruktur bereitstellen und Österreichs Rolle als Drehscheibe im europäischen Energiesystem sichern.“