Beim ÖVGW-Kongress Gas Wasser 2026 in Salzburg wurde Stefanie Nägele für ihre Masterarbeit „Techno-ökonomische Analyse zur Erweiterung der Gasinfrastruktur um Wasserstoff am Beispiel Alpenrheintal“ ausgezeichnet. Ihre Arbeit zeigt, wie sich das europäische Wasserstoffkernnetz sinnvoll bis in die Regionen verlängern lässt und ab wann sich welche Infrastruktur wirtschaftlich lohnt.
Inhalt und Methodik der Arbeit
Die Masterarbeit entstand an der Hochschule Biberach in Kooperation mit der illwerke vkw AG und der Vorarlberger Energienetze GmbH. Der Untersuchungsraum ist das Alpenrheintal mit dem Gasnetz der Vorarlberger Energienetze – ein praxisnaher Blick aus der Perspektive eines regionalen Netzbetreibers mit überregionaler Transitfunktion. Ausgangspunkt ist die Leitfrage, wie das entstehende europäische Wasserstoffkernnetz unter techno-ökonomischen Gesichtspunkten optimal um eine regionale Versorgung erweitert werden kann.
Zur Beantwortung der Frage hat Nägele zunächst den Wissensstand durch Literaturrecherche und Gespräche mit Fachleuten konsolidiert und auf dieser Grundlage realistische Infrastrukturszenarien für die regionale Anbindung abgeleitet. Diese Szenarien wurden technisch mit einer strukturierten Nutzwertanalyse bewertet: Kriterien und Bewertungsskalen wurden definiert, gewichtet und zu einem Gesamtnutzwert zusammengeführt; eine Unsicherheitsanalyse prüfte die Ergebnisrobustheit. Parallel dazu ermittelte die Kostenanalyse Investitions- und Betriebskosten und fasste sie als jährliche Gesamtkosten (Annuitäten) zusammen. Die integrierte techno-ökonomische Bewertung verknüpfte anschließend beide Stränge zu einer konsistenten Entscheidungsgrundlage. Für die räumliche Einordnung nutzte die Arbeit verfügbare Netz- und Projektinformationen, unter anderem aus dem Netzinformationssystem der Vorarlberger Energienetze sowie H2-Infrastrukturkarten.
Analysiert wurden fünf Infrastrukturoptionen für die regionale H2-Versorgung:
- Beimischung von Wasserstoff in das bestehende Gasnetz
- Methanisierung von Wasserstoff mit anschließender Einspeisung ins Gasnetz
- Neubau einer dedizierten Wasserstoffpipeline
- Teilumrüstung bestehender Leitungen/Abschnitte auf 100 Prozent Wasserstoff
- Transport auf dem Landweg, inklusive H2-Kompression und Lkw-Abfüllung
Ergebnisse und Bedeutung
Das Fazit fällt klar aus: Bei gegebenem, kontinuierlichem Wasserstoffbedarf lässt sich die Neuerrichtung einer Wasserstoffleitung sowohl technisch als auch wirtschaftlich empfehlen. In der Kostenanalyse zeigte sich ein Schnittpunkt bei rund 275 GWh pro Jahr. Die integrierte Bewertung untermauert damit, unter welchen Rahmenbedingungen leitungsgebundene Lösungen im regionalen Umfeld gegenüber Übergangspfaden wie Beimischung, Methanisierung oder Straßentransport in den Vorteil kommen.
Die prämierte Arbeit schafft damit Orientierung für Planerinnen, Netzbetreiber und industrielle Abnehmer: Sie übersetzt ein komplexes Zusammenspiel aus Technik, Kosten und regionaler Netztopologie in nachvollziehbare Entscheidungspfade – eine Grundlage, auf der Regionen den Einsatz klimaneutraler Gase verlässlich vorbereiten und zielgerichtet ausbauen können.