Wasserstoff-Strategie nennt künftige Einsatzgebiete

Anfang Juni hat die Bundesregierung die lange erwartete „Wasserstoffstrategie für Österreich“ vorgelegt. Darin ist beschrieben, auf welche Weise Wasserstoff künftig bereitgestellt und eingesetzt werden soll, damit dieser Energieträger den für ihn vorgesehenen bedeutenden Beitrag zum Ziel der Klimaneutralität leisten kann.

Als Klimaneutraler Wasserstoff werden in der Strategie bezeichnet:

  • Erneuerbarer Wasserstoff, der ausschließlich aus erneuerbaren Energieträgern (auf Basis von Strom oder Biomasse) hergestellt wird und
  • Wasserstoff, hergestellt aus Erdgas, bei dem eine vollständige CO2-Abscheidung durchgeführt wurde (blauer Wasserstoff) sowie Wasserstoff aus Methan-Pyrolyse (türkiser Wasserstoff).

Wasserstoff vor allem für die Industrie

Für ausgewählte Anwendungen in der Industrie und in bestimmten, schwer zu elektrifizierenden, Bereichen der Mobilität wird klimaneutraler Wasserstoff als gasförmiger Energieträger und chemischer Grundstoff für unabdingbar und als zielführendster Weg zur Dekarbonisierung bezeichnet.

Wasserstoff soll gemäß der vorliegenden Strategie vorwiegend für Anwendungen in energieintensiven, industriellen Prozessen verwendet werden, wo die Elektrifizierung an technische und wirtschaftliche Grenzen stößt. Genannt werden die Eisen- und Stahlindustrie, die chemische Industrie sowie generell Hochtemperaturprozesse. Im Bereich Mobilität werden der öffentliche Personenverkehr mit Bussen sowie der Güterverkehr als künftige Einsatzgebiete von Wasserstoff angeführt.

Wasserstoffnetze und die Rolle der Gasinfrastruktur

Für den leitungsgebundenen Transport von Wasserstoff soll künftig vor allem die derzeit für den Erdgastransport verwendete Gasinfrastruktur genutzt werden. Erdgasleitungen sollen dabei zu reinen Wasserstoffleitungen umgewandelt werden. Bei Bedarf – z.B. mangels vorhandener Erdgasleitungen – soll auch die Wasserstoffinfrastruktur neu errichtet werden.

 Die Einspeisung und Beimengung von Wasserstoff in das Gasnetz (das sogenannte Blending) sollte – wenn überhaupt – hingegen nur punktuell vorgenommen werden. Dafür muss allerdings eine erhöhte Wasserstoffverträglichkeit sichergestellt sein.

Den bestehenden Erdgas-Untergrundspeichern wird künftig eine wichtige Rolle als Langzeitspeicher für Wasserstoff zugestanden. Allerdings sind dafür noch weitere Forschungs- und Entwicklungsschritte notwendig.

Import von Wasserstoff nötig

In der Studie wird davon ausgegangen, dass künftig nicht der gesamte heimische – für die Dekarbonisierung benötigte – Bedarf an klimaneutralem Wasserstoff auch in Österreich erzeugt werden kann; man wird also auf Importe angewiesen sein. Es ist aber noch nicht absehbar, aus welchen Regionen die benötigten Mengen stammen werden. Daher gilt es, strategische Kooperationen und Partnerschaften mit in Frage kommenden Staaten in und außerhalb der EU voranzutreiben.

Aktionsfelder und Maßnahmen

In der nun vorliegenden Wasserstoffstrategie werden acht Aktionsfelder angeführt, in denen Maßnahmen erfolgen müssen, um die angestrebten Ziele erreichen zu können:

  1. Zeitnahen Markthochlauf mittels Vorzeigeprojekten ermöglichen
  2. Förderung und Anreize für die Produktion von erneuerbarem Wasserstoff schaffen
  3. Anreize für marktwirtschaftliche Geschäftsmodelle und den gezielten Einsatz von Wasserstoff in der Industrie schaffen
  4. Infrastruktur für Wasserstoff aufbauen und Importmöglichkeiten schaffen
  5. Gezielte Weiterentwicklung von Wasserstofftechnologien in der Mobilität
  6. Intensivierung von Forschung und Entwicklung
  7. Gründung der Wasserstoff-Plattform H2Austria
  8. Österreichs Schwerpunkte auf europäischer und internationaler Ebene (z.B. zur Einführung eines EU-weiten Nachweissystems für erneuerbare Gase)

Bewertung durch den FGW

Die Fachverband Gas Wärme (FGW) begrüßt den Umstand, dass für Österreich nun endlich die Wasserstoffstrategie veröffentlicht wurde. In einer ersten Bewertung durch den FGW wurde aber auch eine Reihe von Kritikpunkten angeführt.

  • Das in der Publikation verwendete Zahlenmaterial ist häufig ohne Quellen und somit ohne die Möglichkeit zur Nachvollziehung angeführt.
  • Der Bedarf an gasförmigen Energieträgern (Methan und Wasserstoff) in Österreich im Jahr 2040 liegt gemäß einer Studie des Klimaministeriums zwischen 89 TWh und 138 TWh. In der Wasserstoffstrategie hat man sich am unteren Richtwert dieser Bandbreite als Referenz für die Abschätzung des Bedarfs an klimaneutralen Gasen in den einzelnen Anwendungsgebieten orientiert.
  • Die Ausführungen zu den Aktionsfeldern bleiben im Wesentlichen oberflächlich und wenig konkret.
  • Der Bereich Raumwärme ist im Strategiepapier von der Wasserstoffnutzung ausgeschlossen.
  • Obwohl Blending nicht generell ausgeschlossen wird, weist man darauf hin, dass in Anbetracht der strategisch prioritären Anwendungsfelder von Wasserstoff eine getrennte Beförderung von Wasserstoff gegenüber dem Beimischen in das Gasnetz im Regelfall zu bevorzugen sei. An mehreren Stellen des Dokuments lässt sich jedoch auch herauslesen, dass man durch die Möglichkeit der Beimischung im bestehenden Gassystem Konkurrenz zu anderen Dekarbonisierungslösungen und damit Lock-In-Effekte befürchtet.

Weitere notwendige Schritte

Aus Sicht des FGW muss vor der gesetzlichen Umsetzung der Wasserstoffstrategie in Zusammenarbeit mit Energieunternehmen und betroffenen Industrien eine Konkretisierung der in den einzelnen Aktionsfeldern zu treffenden Maßnahmen erfolgen. Auch muss die Förderrichtlinie für Wasserstoff, wie sie im EAG vorgesehenen ist,  erlassen werden, damit die dort bis 2030 zur Verfügung stehenden Mittel genutzt werden können.

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