07.05.2026

BIG - Green Gas: Grünes Gas aus Reststoffen

Der ÖVGW-Forschungspartner BEST betreibt an der Hauptkläranlage EBS Simmering die „Syngas Platform Vienna“. Dort wird die Erzeugung von wasserstoffreichem Synthesegas aus biogenen Reststoffen wie Schadholz, Müll oder Klärschlamm untersucht. Kern der Anlage ist eine 1-MW-Gaserzeugungsanlage zur Zweibett-Wirbelschichtvergasung, die an der TU Wien entwickelt wurde. Dabei wird Biomasse bei 800–900 °C ohne Luftkontakt vergast, wodurch gut nutzbare Produktgase entstehen. Diese können zu Wasserstoff, Synthetic Natural Gas (SNG) oder auch zu Treibstoffen weiterverarbeitet werden.

Im Rahmen des ÖVGW-Forschungsprojekts „BIG – Green Gas“ (2023–2025) untersuchten BEST und die TU Wien neue Verfahren zur Aufwertung biogener Reststoffe zu Grünem Gas, um das Potenzial klimaneutraler Gase in Österreich zu erschließen. Zur Quantifizierung dieses Potenzials wurde zunächst die regionale Verfügbarkeit von biogenen Reststoffen, die für die Gaserzeugung geeignet sind, erhoben. Die analysierte verfügbare Biomasse beträgt rund 3,5 Mio. t Trockensubstanz, aus der jährlich etwa 12 TWh Methan erzeugt werden könnten (zum Vergleich: Der Erdgasverbrauch in Österreich lag 2025 knapp über 80 TWh).

Erfolgreiche Gasproduktion aus Reststoffen

Zur Gaserzeugung wurden Rinde, Papierschlamm und Maisspindeln untersucht. Alle drei Reststoffe ließen sich erfolgreich vergasen. Die Rinde zeigte ein vergleichbares Verhalten wie Hackschnitzel. Aufgrund seines hohen Wasser- und Aschegehalts musste Papierschlamm mit Hackschnitzeln im Verhältnis 3:1 gemischt werden, lieferte aber ebenfalls stabile Ergebnisse mit einem H₂:CO-Verhältnis von etwa 2,3.

Im dritten Projektjahr konnte die Gaserzeugung mit Maisspindeln erfolgreich über vier Tage kontinuierlich betrieben werden. Dabei wurde ein H₂:CO-Verhältnis von etwa 2,1 erreicht.

Durch Optimierungen, etwa durch höhere Temperaturen oder den Einsatz von Dampf, könnte der Wasserstoffanteil in den Produktgasen weiter erhöht werden.

Die Feingasreinigung ist jedoch ein kostenintensiver Schritt, da Störstoffe stark reduziert werden müssen. Im Projekt wurde dafür die Temperaturwechseladsorption (TSA) erfolgreich eingesetzt, die künftig die Biodieselwäsche ersetzen könnte.

H₂ mit hohem Reinheitsgrad

An der TU Wien wurde das erzeugte Produktgas zur Herstellung von synthetischem Erdgas und Wasserstoff genutzt. Eine Prozesskette aus Wassergas-Shift-Reaktoren und Druckwechseladsorption erreichte eine Wasserstoffreinheit von mindestens 99,969 % und damit nahezu den ISO-Standard für Brennstoffzellen (≥ 99,97 %). Durch Prozessoptimierung sind weitere Verbesserungen möglich.

Im Projektbericht von BEST wird die Empfehlung ausgesprochen, die in den ÖVGW-Richtlinien für die Einspeisung von Gasen in das Gasnetz festgelegten Grenzwerte flexibler zu gestalten. Eine Anhebung dieser Grenzwerte würde die Betriebsweise von Brennstoffzellen nicht beeinträchtigen, jedoch die Rückgewinnungsrate von Wasserstoff aus den Produktgasen erhöhen.

Umweltpreis für ÖVGW-Projekt

Das mit dem Umweltpreis „Energy Globe Award“ ausgezeichnete ÖVGW-Forschungsprojekt „BIG Green Gas“ konnte nachweisen, dass sich durch Zweibett-Wirbelschichtvergasung aus Rinde, Papierschlamm und Maisspindeln ein Produktgas herstellen lässt, das sich zu „Synthetic Natural Gas“ (SNG) und zu Wasserstoff mit einem nahezu brennstoffzellentauglichen Reinheitsgrad weiterverarbeiten lässt. Zwar stellt die Wasserstoffproduktion aus Biomasse weiterhin technische Herausforderungen dar, doch Ökobilanzanalysen zeigen ein erhebliches Potenzial zur Reduktion von Treibhausgasemissionen gegenüber fossilen Alternativen.

 

 

 

 

Die Anlage "Syngas Platform Vienna“ wurde für die Gaserzeugung im DFB-System (Dual Fluidized Bed) errichtet - eine vielversprechende Technologie zur Herstellung von hochwertigem Synthesegas aus festen Brennstoffen wie Biomasse.
© Wien Energie / Michael Horak