In Österreich wandeln derzeit nur wenige der rund 300 Biogasanlagen das erzeugte Rohbiogas zu Biomethan um. Seit Herbst 2025 ist dies auch bei der Biogas Trattnachtal GmbH in Wallern an der Trattnach in Oberösterreich der Fall. Das Biogas wird aus der Vergärung von Klärschlamm und biogenen Abfällen gewonnen. Die Aufbereitung erfolgt mittels einer dreistufigen Membrantechnologie mit einer Mindest-Kapazität von 200 Nm³ Biomethan pro Stunde, was einer Jahresproduktion von rund 18 Gigawattstunden entspricht. Das erzeugte erneuerbare Gas wird in das öffentliche Gasnetz der Netz Oberösterreich GmbH eingespeist.
Beim diesjährigen Fachkongress „Gas” stellte Günther Tumfart von „Netz Oberösterreich” die technischen und organisatorischen Voraussetzungen für die Anbindung der Anlage an das Gasnetz sowie die Einspeisung des erzeugten Biomethans vor.
Vom Einspeisewunsch zum Netzanschluss
Nachdem der Anlagenbetreiber seinen Wunsch nach einer Netzeinspeisung bekannt gegeben hatte, wurde gemeinsam mit Netz Oberösterreich ein geeigneter Einspeisepunkt festgelegt. Nach Abschluss der Netzzugangsvereinbarung musste eine 1,1 Kilometer lange Anschlussleitung errichtet werden, welche die Anlage mit dem Gasnetz verbindet.
Gasqualität und Druck als zentrale Voraussetzungen
Neben der Anschlussleitung wurden eine Übergabestation und Einrichtungen zur kontinuierlichen Messung der Gasqualität errichtet. Aus Sicht des Netzbetreibers bildet die Übergabestation den zentralen Übergabepunkt zwischen Kundenanlage und öffentlichem Gasnetz. An dieser Stelle wird überprüft, ob das Biomethan die Anforderungen der ÖVGW-Richtlinie G B210 erfüllt. Werden die vorgeschriebenen Qualitätsparameter nicht eingehalten, wird die Einspeisung durch das automatische Schließen eines Ventils sofort unterbrochen.
Der Bau einer Verdichteranlage kann ein wesentlicher Kostenfaktor sein. Im Fall der Anlage im Trattnachtal war dies jedoch nicht erforderlich. Die Methanaufbereitung liefert das Gas bereits mit einem Druck von 5 bar. Da an das betreffende Netz auch Gewerbebetriebe angeschlossen sind, besteht selbst in den Sommermonaten eine ausreichende Gasabnahme, sodass keine Rückverdichtung in eine höhere Netzebene notwendig ist.
Vertragliche Regelungen schaffen Planungssicherheit
Die Netz Oberösterreich GmbH garantiert der Anlage eine Einspeiseverfügbarkeit von 8.000 Stunden pro Jahr. Diese hohe Verfügbarkeit ist auch deshalb möglich, da keine Verdichteranlage vorhanden ist, deren Ausfall die Einspeisung beeinträchtigen könnte. Sollte die vereinbarte Verfügbarkeit dennoch unterschritten werden, muss der Netzbetreiber den daraus entstehenden Schaden ersetzen.
Frühe Abstimmung beschleunigt die Umsetzung
Nach den Erfahrungen von Netz Oberösterreich ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Anlagenbetreiber, Netzbetreiber und den beauftragten Unternehmen bereits in der Planungsphase entscheidend für einen reibungslosen Projektablauf. Auch die erforderlichen Vorlaufzeiten für den Bau der Anschlussleitung und der Übergabestation sollten nicht unterschätzt werden. Ebenso wichtig ist eine frühzeitige Einigung mit den betroffenen Grundeigentümern, damit der Leitungsbau ohne Verzögerungen erfolgen kann.
Klare Rahmenbedingungen als Voraussetzung für den Markthochlauf
Günther Tumfart ist der Ansicht, dass für einen rascheren Ausbau der Biomethaneinspeisung vor allem verlässliche politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen erforderlich sind. Allein in Oberösterreich liegen bereits zahlreiche Anfragen zur Einspeisung von Biomethan vor. Viele Projektentwickler warten jedoch auf das Erneuerbare-Gase-Gesetz, bevor sie ihre Vorhaben umsetzen. Damit wird deutlich, dass neben der technischen Machbarkeit vor allem langfristige Planungssicherheit eine entscheidende Voraussetzung für den Hochlauf der Biomethanproduktion in Österreich ist.