Seit vier Jahren veröffentlicht die European Biogas Association (EBA) den „Biomethane Investment Outlook“. Die Entwicklung der Investitionen in die Biomethanerzeugung ist ein wichtiger Indikator für die Dynamik des europäischen Marktes und dafür, inwieweit das von der Europäischen Kommission im Rahmen von REPowerEU formulierte Ziel erreicht werden kann, bis 2030 jährlich 35 Milliarden Kubikmeter erneuerbares Gas aus Biomasse zu produzieren. Dabei werden sowohl nicht aufbereitetes Biogas als auch aufbereitetes Biomethan berücksichtigt.
36 Milliarden Euro geplante Investitionen
Im Juli präsentierte die EBA ihren aktuellen „Biomethane Investment Outlook“. Demnach sind derzeit Investitionen von rund 36 Milliarden Euro angekündigt bzw. zugesagt. Die Angaben beruhen auf einer Befragung von Investoren und Projektentwicklern. Gegenüber der Ausgabe des Investment Outlook für 2025 entspricht dies einem Anstieg um rund 28 Prozent beziehungsweise etwa acht Milliarden Euro und einer zusätzlichen erwarteten Produktionskapazität von 2 Mrd. Kubikmetern.
Die angekündigten Projekte haben das Potenzial, die jährliche Biomethanproduktionskapazität Europas bis 2030 um rund neun Milliarden Kubikmeter zu erhöhen, sofern die Investitionsvorhaben tatsächlich umgesetzt werden. Die EBA weist aktuell bereits eine europäische Biomethanproduktionskapazität von mehr als acht Milliarden Kubikmetern pro Jahr aus.
Die Zahl der geplanten Anlagen unterstreicht ebenfalls die Dynamik des Marktes: Laut EBA sollen in den kommenden fünf Jahren mehr als 1.200 neue Biomethananlagen zusätzlich in Betrieb genommen werden. Das wäre ein beachtlicher Zuwachs zu den derzeit in Europa vorhandenen 1.975 Anlagen (Stand: Ende 2. Quartal 2026).
Dänemark, Italien und Spanien an der Spitze
Zu den Ländern mit den höchsten angekündigten Investitionen zählen Dänemark mit rund 8,7 Milliarden Euro, Italien mit rund 4 Milliarden Euro und Spanien mit rund 3,1 Milliarden Euro. Es folgen das Vereinigte Königreich mit 2,6 Milliarden Euro und Frankreich mit 2,4 Milliarden Euro. Weitere bedeutende Investitionsvolumina entfallen auf Schweden mit 1,5 Milliarden Euro, Polen mit 1,3 Milliarden Euro und Finnland mit 1,2 Milliarden Euro.
Besonders dynamisch entwickelte sich Italien: Gegenüber dem Vorjahresbericht nahm das dort ausgewiesene Investitionsvolumen um mehr als drei Milliarden Euro zu.
Neubau und Modernisierung
Der größte Teil der angekündigten Investitionen entfällt auf den Neubau von Biomethananlagen. Dafür sind rund 31,5 Milliarden Euro vorgesehen, was etwa 87 Prozent des ausgewiesenen Investitionsvolumens von 36 Milliarden Euro entspricht. Weitere rund 4,4 Milliarden Euro sollen in die Modernisierung bestehender Anlagen fließen, beispielsweise in die Umrüstung von Biogas-KWK-Anlagen auf die Biomethanproduktion.
Damit spielt neben dem Neubau auch die Nachrüstung bestehender Anlagen eine wichtige Rolle. Hinzu kommen erhebliche Investitionen in die erforderliche Infrastruktur, insbesondere in den Ausbau und die Modernisierung von Gasnetzen. Davon profitieren unter anderem Länder wie Dänemark, die Niederlande und Schweden. Weitere Mittel fließen in Technologien und Endverbrauchsanlagen, beispielsweise Tankstellen, Verflüssigungsanlagen und Technologien zur Nutzung biogenen CO₂.
Österreich hinkt hinterher
Österreich zählt bei den angekündigten Investitionen weiterhin nicht zu den führenden Biomethanmärkten Europas. Im aktuellen Investment Outlook werden für Österreich lediglich rund 30 Millionen Euro an geplanten Investitionen und eine zusätzliche Produktionskapazität von 0,1 TWh pro Jahr ausgewiesen.
Während andere europäische Länder umfangreiche Ausbauprogramme verfolgen und Milliardenbeträge mobilisieren, fehlen in Österreich weiterhin verlässliche politische Rahmenbedingungen und ausreichende Investitionsanreize. Dies wird auch vom Kompost- und Biogasverband Österreich in seiner Analyse des Investment Outlooks kritisiert.
Auch der Fachverband Gas Wärme und Vertreter der Branche fordern deshalb einen raschen Beschluss des „Erneuerbaren-Gas-Gesetzes“. Ein entsprechender Gesetzesentwurf sieht vor, bis 2030 jährlich eine Terawattstunde Biomethan – rund 100 Millionen Kubikmeter – in das österreichische Gasnetz einzuspeisen. Die Erzeugung soll künftig über ein Marktprämienmodell gefördert werden.
Die Entwicklung in anderen europäischen Ländern zeigt, dass erhebliche Investitionen in Biomethan möglich sind, wenn entsprechende politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen bestehen. Für Österreich wird es daher entscheidend sein, rasch Planungssicherheit zu schaffen und Investitionen in die heimische Produktion erneuerbarer Gase zu ermöglichen.