19.03.2026

ERGaR ermöglicht grenzüberschreitenden Handel mit Biomethannachweisen

Für den Aufbau eines funktionierenden, EU-weiten Biomethanmarktes sind neben Produktionskapazitäten und Netzinfrastruktur vor allem ein verlässliches System zur transparenten Herkunftsnachweisführung sowie zum grenzüberschreitenden Handel erforderlich. Ein zentraler Baustein für die Integration der europäischen Gasmärkte ist dabei die Übertragung von Biomethan-Herkunftsnachweisen zwischen nationalen Registern.

In Österreich betreibt die AGCS das Biomethanregister und stellt Anlagenbetreibern elektronische Herkunftsnachweise für in das Gasnetz eingespeiste Mengen aus. Diese enthalten neben Mengenangaben auch Informationen zu den eingesetzten Substraten. Händler können die Nachweise erwerben, um gegenüber ihren Kunden die Einspeisung entsprechender Biomethanmengen in das Gasnetz zu belegen.

Beim grenzüberschreitenden Handel werden nicht die physischen Biomethanmengen selbst übertragen, sondern ausschließlich die zugehörigen Nachhaltigkeits- bzw. Herkunftsnachweise zwischen den nationalen Registern transferiert, während der physische Gasfluss davon unabhängig bleibt (Book-and-Claim-Prinzip). Auf diese Weise wird die erneuerbare Eigenschaft des Biomethans über handelbare Nachhaltigkeitsnachweise übertragen, ohne dass ein physischer Zusammenhang zwischen Einspeisung und Entnahme des Gases bestehen muss.

Die Übertragung der Nachweise erfolgt über das von European Renewable Gas Registry (ERGaR) entwickelte ERGaR CoO-Scheme, ein standardisiertes Verfahren für den internationalen Transfer von Herkunftsnachweisen. Neben Österreich nehmen Register aus Deutschland, Dänemark, den Niederlanden, der Schweiz, der Slowakei und Großbritannien teil; mit Amber Grid aus Litauen wird sich 2026 ein weiteres Register anschließen.

Wachsender Handel mit Biomethan

Die Bedeutung dieses Systems zeigt sich in den stark gestiegenen Handelsvolumina. Da Biomethan deutlich teurer ist als fossiles Erdgas, besitzen auch die zugehörigen Nachweise einen hohen wirtschaftlichen Wert. Verlässliche und transparente Transfermechanismen sind daher eine zentrale Voraussetzung für Investitionen und den Markthochlauf erneuerbarer Gase. Seit dem Start des Systems im Jahr 2021 wurden mehr als 8 Terawattstunden an Herkunftsnachweisen übertragen.

Das Jahr 2025 war ein Rekordjahr für ERGaR. Wie Julian Auderieth (AGCS), seit Herbst 2025 Präsident von ERGaR, mitteilte, wurden über das ERGaR-CoO-Scheme und die zugehörige Abwicklungsplattform Cert-X Europe Biomethan- und Herkunftsnachweise für mehr als 4 Terawattstunden grenzüberschreitend übertragen. Der Trend ist damit weiterhin klar steigend.

„Diese Entwicklung zeigt deutlich, wie stark das Vertrauen in standardisierte, digitale und grenzüberschreitende Nachweissysteme wächst und welche zentrale Rolle ERGaR inzwischen für den europäischen Markt der erneuerbaren Gase einnimmt“, sagte Auderieth in einem Interview mit der ÖVGW-Zeitschrift „FORUM Gas Wasser Wärme“.

Julian Auderieth, MSc Präsident ERGaR; Seit Oktober 2025 steht Julian Auderieth an der Spitze von ERGaR. Er war zuvor stellvertretender Vizepräsident für seine Kollegin Stefanie Königsberger und arbeitet seit vielen Jahren im Biogasbereich der AGCS an der Entwicklung des europäischen Marktes für erneuerbare Gase mit.
Julian Auderieth

Die Nachfrage nach Biomethanzertifikaten konzentriert sich insbesondere auf Deutschland, wohin der Großteil der Mengen transferiert wird. Auf dem zweiten Platz liegt die Schweiz. Auf der Angebotsseite dominieren Dänemark und Großbritannien, aus denen rund 90 Prozent der exportierten Zertifikate stammen. Diese Handelsströme verdeutlichen die zunehmende arbeitsteilige Entwicklung eines europäischen Biomethanmarktes.

Das ERGaR CoO-Scheme stellt hierfür eine neutrale Infrastruktur bereit. Gebühren fallen ausschließlich für die teilnehmenden Register an, deren Finanzierung über Mitgliedsbeiträge und Registerentgelte erfolgt. Das Ziel besteht nicht in der Gewinnerzielung, sondern darin, ein sicheres, transparentes und standardisiertes System bereitzustellen, das den grenzüberschreitenden Handel ermöglicht und somit den Aufbau eines funktionierenden europäischen Marktes für erneuerbare Gase maßgeblich unterstützt.