Vom 12. bis 13. März 2026 fand an der Montanuniversität Leoben ein gemeinsamer Forschungsaustausch zentraler Akteure der Gas- und Wasserstoffwirtschaft statt. Vertreter der ÖVGW und des DVGW trafen mit zahlreichen Forschungsinstitutionen zusammen, um aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen der Energiewende zu diskutieren.
Zentrale Zukunftsthemen wie der Markthochlauf von Wasserstoff, das CO₂-Management sowie Technologien zur CO₂-Abscheidung und -Nutzung (CCU/CCS) standen im Fokus der Veranstaltung. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Frage, wie sich der Einsatz von Wasserstoff rasch und zugleich nachhaltig skalieren lässt. Dabei wurden auch technische Fragestellungen, etwa zur Qualitätssicherung von Wasserstoff, intensiv beleuchtet.
Inhalte der Vorträge
In den Fachvorträgen wurde ein umfassender Überblick über laufende und geplante Projekte entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette gegeben. Unter anderem wurden Importstrategien für Wasserstoff und Ammoniak sowie die Speicherung von H2 in Untergrundspeichern vorgestellt. Ein weiterer Beitrag thematisierte die direkte Nutzung von Ammoniak als Brennstoff und dessen Potenzial zur Dekarbonisierung der Thermoprozessindustrie.
Zudem wurde der aktuelle Stand der Wasserstofferzeugung in Deutschland vorgestellt und durch Beispiele konkreter Anwendungsprojekte ergänzt. Infrastrukturprojekte spielten ebenfalls eine zentrale Rolle: So ist geplant, das deutsche H₂-Startnetz an den rund 2.500 Kilometer langen Nordic Hydrogen Corridor anzubinden. Eine mögliche Route, die Wasserstoff von Finnland über die baltischen Staaten und Polen nach Deutschland transportieren soll, wurde präsentiert.
Ein weiteres bedeutendes Infrastrukturvorhaben stellte ÖVGW-Präsident Stefan Wagenhofer mit dem South H2 Corridor vor. Dieses Projekt sieht vor, in Nordafrika produzierten erneuerbaren Wasserstoff über Italien nach Mitteleuropa zu transportieren, wobei sowohl neue Wasserstoffleitungen als auch umgewidmete Erdgasinfrastrukturen zum Einsatz kommen sollen.
Neben der Wasserstoffinfrastruktur wurden auch Konzepte zum CO₂-Management diskutiert, darunter die Abscheidung, Speicherung und Nutzung von CO₂ sowie der Aufbau einer entsprechenden Transportinfrastruktur in Deutschland und Österreich. Weitere Beiträge befassten sich mit dem zukünftigen Gasbedarf, insbesondere im Kontext von Kraftwerken und dem steigenden Energiebedarf von Rechenzentren.
Auch innovative Verfahren wie die Methanpyrolyse zur Herstellung von Wasserstoff aus Erdgas wurden vorgestellt. In diesem Zusammenhang wurden zudem regulatorische Rahmenbedingungen auf EU-Ebene zur Berechnung der Treibhausgasintensität von blauem und türkisem Wasserstoff erläutert.
Austausch und Perspektiven
Neben den fachlichen Inhalten bot die Veranstaltung eine wichtige Plattform zur Vernetzung der beteiligten Institutionen. Ziel war es, bestehende Kooperationen zu vertiefen und neue gemeinsame Forschungsprojekte anzustoßen.
Zu den teilnehmenden Einrichtungen zählten unter anderem die DBI-Gruppe, GWI Essen e.V., die DVGW-Forschungsstelle am Engler-Bunte-Institut des Karlsruher Institut für Technologie, die HyCentA Research GmbH, die BEST – Bioenergy and Sustainable Technologies GmbH sowie die Netzwerke ERIG und WIVA P&G.
Fazit
Der Forschungsaustausch in Leoben verdeutlichte die zentrale Bedeutung von Kooperation und Forschung für die Weiterentwicklung erneuerbarer Gase und das Gelingen der Energiewende. Trotz aktueller Herausforderungen bei der Einführung klimaneutraler Technologien wurde in einem der Vorträge ein klarer Ausblick formuliert: Wasserstoff wird sich langfristig als zentraler Energieträger etablieren.