27.01.2026

Industriestrategie setzt auf Grünen Wasserstoff

Die kürzlich veröffentlichte Industriestrategie der österreichischen Bundesregierung zielt darauf ab, die internationale Wettbewerbsfähigkeit sowie die Leistungs- und Innovationskraft des Industriestandorts zu stärken. Bis 2035 soll Österreich zu den zehn wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften zählen. In sieben Handlungsfeldern werden dafür 114 Maßnahmen definiert. Im Bereich Energie stehen der beschleunigte Ausbau erneuerbarer Energien und wettbewerbsfähige Energiepreise für die Industrie im Fokus. Eine zentrale Rolle kommt dabei dem Energieträger Wasserstoff zu. Aufbauend auf der Wasserstoffstrategie von 2022 soll Österreich an das europäische Wasserstoff-Fernleitungsnetz angebunden werden. Investitionssicherheit entlang der gesamten Wertschöpfungskette soll den Übergang zu einer resilienten, klimaneutralen Industrie unterstützen.

Folgende Maßnahmen zur Förderung von Wasserstoff werden in der Industriestrategie angeführt:

  • Aufbau eines Wasserstoffstartnetzes durch Umwidmung zentraler Fernleitungen (u. a. WAG, Penta-West, SOL, TAG) plus gezielte Neubauten (z. B. H2 Backbone WAG+Penta-West).
  • Aufbau einer voll wasserstofftauglichen Startinfrastruktur bis 2035, um den marktbasierten Hochlauf von erneuerbarem Wasserstoff zu ermöglichen und langfristig die Versorgung und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
  • Die Nachhaltigkeitskriterien für mit Wasserstoff erzeugte erneuerbare Kraftstoffe (RFNBO) und Low-Carbon-Hydrogen sollen auf EU-Ebene überarbeitet werden. Zu strenge Vorgaben zur Stromherkunft für Elektrolyseure erhöhen regulatorische Risiken, erschweren die Finanzierung und benachteiligen europäische Produzenten zugunsten von Importen.
  • Die Infrastrukturfinanzierung für den zügigen Ausbau von Erzeugung, Importkorridoren, Speicher- und Pipeline-Netzen soll über EU-Mittel kofinanziert werden.
  • Mit dem Wasserstoffpaket im Gaswirtschaftsgesetz (GWG) wird klare Regulierung für Wasserstoffnetze (Entflechtung, Netzzugang, Tarifstruktur), zügige Genehmigungen und die Umwidmung bestehender Leitungen gesichert.
  • Österreich prüft eine Beteiligung am europäischen H2Global-Modell Ansatzes (Käufer und Verkäufer geben gleichzeitig Gebote bzw. Angebote ab, so dass der Preis nicht einseitig, sondern durch Zusammentreffen beider Seiten des Marktes entsteht), um den abgesicherten Import von erneuerbarem Wasserstoff und Derivaten für die Industrie zu ermöglichen. Ziel ist Planungssicherheit für Abnehmer. Ein eigenes „Funding Window“ soll gezielt auf die Bedarfe der heimischen Industrie zugeschnitten werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die meisten der in der Industriestrategie genannten Wasserstoff-Maßnahmen bereits von der Vorgängerregierung verfolgt wurden bzw. auch im aktuellen Regierungsprogramm aufgeführt sind. Es bleibt abzuwarten, ob die erneute Festschreibung in der Industriestrategie zu einer raschen Verwirklichung der Vorhaben führt, darunter die Umsetzung des EU-Wasserstoffpakets in einem Gas- und Wasserstoffwirtschaftsgesetz sowie die ausreichende Finanzierung des Aufbaus der H2-Infrastruktur.