15.06.2026

Studie: Volkswirtschaftliche Effekte der Biomethanproduktion in Österreich

Österreich bleibt trotz breiterer Bezugsquellen stark von Erdgasimporten abhängig. Zu Beginn des Kriegs gegen die Ukraine kamen rund 80 Prozent des Gases aus Russland. Zwischen 2014 und 2024 weist die Außenhandelsstatistik durchgehend ein Importminus aus, im Jahr 2022 erreichte es wegen der Energie und Preiskrise einen Höchststand. Biomethan rückt daher als heimischer erneuerbarer Energieträger in den Vordergrund. Es ist mit dem Gasnetz kompatibel und kann fossiles Erdgas direkt ersetzen.

Studienrahmen und Methode

Die Studie der Servicestelle Erneuerbare Gase ordnet die volkswirtschaftlichen Effekte der Biomethanproduktion in drei Bereiche. Erstens die einmalige Investitionsphase beim Ausbau neuer Kapazitäten. Zweitens die dauerhaften Wirkungen des laufenden Betriebs. Drittens die Rückflüsse an den Staat durch Steuern und Abgaben. Die Studie stützt sich auf Daten der Statistik Austria aus 2021 und zeigt, wie Ausgaben sich von Branche zu Branche entlang der Lieferketten fortsetzen und dadurch direkte und indirekte Effekte entstehen sowie zusätzliche Wirkungen, die durch den Konsum der Beschäftigten ausgelöst werden. Ergänzend wurden aktuelle Kostendaten aus dem SEG Marktbericht 2025 berücksichtigt. Abgebildet sind Anlagen auf Basis landwirtschaftlicher Substrate und biogener Abfälle mit ihren erwarteten Anteilen im Markthochlauf.

Errichtung und Betrieb: Wertschöpfung und Beschäftigung

Für den Zuwachs von einer Terawattstunde Biomethankapazität veranschlagt die Studie in der Errichtung 344 bis 775 Millionen Euro. Daraus entsteht eine inländische Bruttowertschöpfung von 227 bis 511 Millionen Euro. Die Bauphase sichert oder schafft 3.149 bis 7.096 Vollzeitäquivalente. Besonders profitieren Bau, Maschinen und Anlagenbau, elektrotechnische Ausrüstungen und Installation. Gegenüber verstromenden Biogasanlagen verlagert sich der Schwerpunkt deutlich zur Gasaufbereitung und zur Einspeisung in das Netz. Ein großer Teil der Aufträge wird von heimischen Betrieben abgewickelt.

Im laufenden Betrieb fallen je Terawattstunde Jahresproduktion jährlich 51 bis 169 Millionen Euro an Aufwendungen an. Die daraus resultierende Bruttowertschöpfung liegt zwischen 75 und 253 Millionen Euro pro Jahr. Etwa 99 Prozent der Wertschöpfung verbleiben in Österreich. Dauerhaft gesichert werden 1.460 bis 4.919 Vollzeitäquivalente je Terawattstunde und Jahr. Rund 47 Prozent der Vorleistungen entfallen auf die Landwirtschaft für Substrate. Etwa 20 Prozent betreffen Transport und Logistik. Darüber hinaus tragen Energiebedarf, Reparatur und Instandhaltung sowie Finanzdienstleistungen nennenswerte Anteile. Diese Nachfrage wirkt breit in die Regionen und stärkt vor allem ländliche Räume.

Fiskalische Rückflüsse und Einordnung der Ergebnisse

Zusätzlich weist die Studie fiskalische Rückflüsse aus. Aus der Errichtung fließen einmalig 87 bis 195 Millionen Euro an den Staat zurück. Im Betrieb kommen je Terawattstunde pro Jahr 25 bis 85 Millionen Euro hinzu. Erfasst sind Lohnsteuer, Sozialversicherungsbeiträge, Produktionsabgaben, Körperschaftsteuer in Zuliefersektoren sowie Umsatzsteuer aus zusätzlichem Konsum. Unterstellt wird ein kostendeckender Betrieb der Anlagen. Steuerpflichtige Gewinne entstehen damit vor allem bei Zulieferern. Über die Nutzungsdauer summieren sich die laufenden Rückflüsse deutlich. Im Unterschied zu fossilen Gasimporten verbleiben diese Mittel in der heimischen Volkswirtschaft.

Die Werte je Terawattstunde basieren auf der nationalen Datenbasis von 2021 und Kostendaten von 2025. Abgebildet werden direkte und indirekte Effekte sowie Wirkungen, die durch zusätzlichen Konsum entstehen. Für die Berechnung wurde in der Datenstruktur ein eigener Sektor für Biomethan ergänzt. Diese Konsumwirkungen sind vorsichtig angesetzt. Der Ausbau orientiert sich am Zielpfad des Nationalen Energie und Klimaplans bis sieben Terawattstunden, mit steigenden Anteilen landwirtschaftlicher Reststoffe. Regionale Verteilungen und künftige Preis und Kostenentwicklungen können die Bandbreiten verändern. Die Befunde liefern eine solide Grundlage für die energie- und industriepolitische Diskussion.