22.05.2026

Tschechien startet Milliardenoffensive für Biomethan

In Tschechien wurde ein ambitioniertes Programm zum Ausbau der Biomethanerzeugung gestartet. Der Grund dafür: Die Entwicklung blieb bislang deutlich hinter den Zielen des Nationalen Energie- und Klimaplans aus dem Jahr 2019 zurück. Statt der angestrebten Jahresproduktion von 78 Mio. Nm³ Biomethan wurden 2024 lediglich 7,5 Mio. Nm³ erreicht.

Ein wesentliches Hemmnis sind die hohen Produktionskosten, die derzeit über dem Preis von importiertem Biomethan liegen. Daher verabschiedete die tschechische Regierung 2025 einen Aktionsplan zur Förderung der Biomethannutzung. Bis 2030 soll die Biogasproduktion um rund 12 % auf 1,47 Mrd. m³ steigen. Daraus sollen durch Aufbereitung 491 Mio. Nm³ Biomethan erzeugt werden; der verbleibende Anteil soll weiterhin zur Stromerzeugung genutzt werden.

EU genehmigt Biomethanförderung

Die Europäische Kommission hat inzwischen das tschechische Beihilfeprogramm für Biomethan genehmigt. Für neue und modernisierte Biomethananlagen, die in das Gasnetz einspeisen, stehen insgesamt 3,7 Mrd. Euro (rund 90 Mrd. CZK) zur Verfügung.

In Tschechien geht man davon aus, dass 50–60 % der insgesamt 574 bestehenden Biogasanlagen einen guten Zugang zum Gasnetz haben und daher für eine Umrüstung infrage kommen.

Das Förderprogramm soll die Differenz zwischen Marktpreis und Produktionskosten von nachhaltigem Biomethan ausgleichen. Die Förderung erfolgt über einen monatlichen „grünen Bonus“ auf den Marktpreis. Die Förderverträge können über 15 Jahre abgeschlossen werden.

Die Höhe des Bonus wird unterschiedlich festgelegt:

  • Für kleinere Anlagen mit einer Jahresproduktion bis 6 GWh bestimmt die tschechische Regulierungsbehörde ERU die Höhe des Zuschlags.
  • Für größere Anlagen erfolgt die Förderung über wettbewerbliche Auktionen.

Erste Auktion für Biomethanproduktion

Mitte Mai veröffentlichte das tschechische Ministerium für Industrie und Handel die erste Ausschreibung zur Biomethanförderung für das Jahr 2026. Die Ausschreibungsphase läuft vom 29. Mai bis 31. Juli 2026.

Das Fördervolumen entspricht einer jährlichen Produktion von 45 Mio. Nm³ Biomethan. Gefördert wird Biomethan aus Biogas, einschließlich Klär- und Deponiegas, sofern es in das tschechische Gasnetz eingespeist wird.

Teilnahmeberechtigt sind neue und umgerüstete Anlagen, die spätestens bis 31. Dezember 2029 in Betrieb gehen. Der maximale Referenzpreis beträgt 3.000 CZK pro MWh (rund 123 Euro).

An der Auktion werden daher nur Betreiber teilnehmen, die ihre Anlage mit Produktionskosten von höchstens 3.000 CZK pro MWh wirtschaftlich betreiben können. Je niedriger der erforderliche Förderbetrag zwischen erzielbarem Marktpreis und Erzeugungskosten ausfällt, desto höher sind die Chancen auf einen Zuschlag.

Erfolgreiche Bieter müssen monatlich eine Mindestmenge an Biomethan in das Gasnetz einspeisen. Diese muss mindestens 75 % der Anlagenkapazität entsprechen. Zusätzlich gelten Grenzwerte für die monatlichen Treibhausgasemissionen.

Österreich unter Zugzwang

Der Österreichische Verband Kompost und Biogas bezeichnet die Genehmigung des tschechischen Fördermodells als deutlichen Weckruf. Während Tschechien mit langfristigen Fördermechanismen den Aufbau einer eigenständigen Biomethanwirtschaft vorantreibt, fehlen in Österreich weiterhin vergleichbare Einspeise- und Investitionsanreize.

Auch andere EU-Staaten wie Frankreich und Italien nutzen die Spielräume des EU-Beihilferechts bereits gezielt zur Förderung heimischer Biomethanproduktion. Ohne rasche Anpassungen der Rahmenbedingungen droht Österreich im Wettbewerb um Projekte, Kapital und Know-how zurückzufallen.

Forderung nach Erneuerbares-Gas-Gesetz

Michael Mock, Geschäftsführer des Fachverbands Gas Wärme, fordert daher eine rasche Umsetzung eines Erneuerbares-Gas-Gesetzes (EGG). Laut aktuellen Beratungen der Regierungsparteien soll ein Marktprämienmodell für Biomethan eingeführt werden.

Das geplante Gesetz soll Investitionssicherheit schaffen und sicherstellen, dass bis 2030 eine Terawattstunde Biomethan – rund 100 Mio. Nm3 – in das österreichische Gasnetz eingespeist wird.