03.06.2026

Zukunftsforum Grünes Gas 2026: Zwischen Aufbruch und Umbruch

Am 2. Juni 2026 versammelte das Zukunftsforum Grünes Gas zum achten Mal Fachgäste aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft im Palais Niederösterreich. Im Fokus standen Rahmenbedingungen, Investitionen und die Skalierung von Lösungen für grünes Gas und Wasserstoff.

Vom Branchentreff zur Umsetzungsplattform

Zum Auftakt ordneten Peter Weinelt (FGW) und Stefan Wagenhofer (ÖVGW) die Entwicklung des Formats ein: vom Branchentreff zur etablierten Plattform für grünes Gas und Wasserstoff. Zum ersten Mal fand das Zukunftsforum Grünes Gas 2018 statt. Seitdem waren 180 Referentinnen und Referenten zu Gast: „Was vor acht Jahren als Austausch über Potenziale begann, ist heute eine Plattform für konkrete Umsetzung. Die Fragen haben sich verschoben: von Grundsatzdebatten hin zu Infrastruktur, Finanzierung und Markthochlauf“, so Weinelt. Wagenhofer ergänzte: „Wir brauchen jetzt verlässliche Regulierung und Planungssicherheit – nur so werden aus Strategien Investitionen.“

Stefan Wagenhofer (Präsident ÖVGW), Staatssekretärin Elisabeth Zehetner und Peter Weinelt (Obmann des FGW)

Klimarisiko oder Chance? Globale Perspektiven auf die Energiewende

Die Keynote von Klimaökonom Gernot Wagner (Columbia Business School) eröffnete den inhaltlichen Teil. Im anschließenden Panel „Welt im Wandel: Klimarisiko oder Chance?“ diskutierten Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (BMWET), Eveline Steinberger (The Blue Minds Company), Valerie Hackl (GCA), Johannes Benigni (JBC Vienna) und Wagner über die Tragfähigkeit aktueller Klimastrategien, mögliche Kurskorrekturen sowie die wirtschaftliche Rolle von grünem Gas und Wasserstoff.

„Grüne Gase wie Wasserstoff oder Biomethan werden in einem klimaneutralen Energiesystem eine zentrale Rolle spielen, aber dort, wo sie wirklich gebraucht werden: in der Industrie, bei Hochtemperaturprozessen, in Gaskraftwerken und bei der saisonalen Speicherung“, betonte Zehetner. „Damit aus Potenzial Realität wird, braucht es jetzt verlässliche Rahmenbedingungen, planbare Erlöse und konkrete Projekte. Genau hier setzen wir mit dem Erneuerbares-Gas-Gesetz, dem Wasserstoffförderungsgesetz, dem neuen Gaswirtschaftsgesetz und der Transformation der Industrie an.“

Fragen aus dem Publikum wurden digital über Slido eingebunden. Ein Graphic Recording von Markus Engelberger visualisierte die Debatten über den gesamten Tag; die zusammenfassende „Engagement Wall“ wurde vor dem Polittalk präsentiert.

Markus Engelberger fasst Ergebnisse der Engagement Wall zusammen

Wasserstoffnetze: Finanzierung, Regulierung, Risiko

Ein zentraler Schwerpunkt behandelte die Umsetzung von Wasserstoffnetzen. Im Panel „H₂-Netze im Aufbau“ beleuchteten Alfons Haber (E-Control), Gerald Linke (DVGW), Judith Obermayr-Schreiber (Industriellenvereinigung), Manfred Pachernegg (Energienetze Steiermark), Bernhard Painz (AGGM) und Roberto Tebaldi (TAG) die Synchronisierung von Nachfrage, Importpfaden und Netzausbau sowie die Rolle der bestehenden Gasinfrastruktur.

Dabei wurde deutlich: Nachfrage ist die Voraussetzung für Infrastrukturinvestitionen, doch Regulierung und Finanzierung müssen deutlich schneller konkretisiert werden. Bestehende Gasinfrastruktur kann einen wichtigen Beitrag leisten, dennoch werden zusätzliche Leitungen erforderlich sein. Die Industrie benötigt vor allem Preis- und Planungssicherheit. Ohne europäische Koordination wird die Skalierung erheblich erschwert.

Ulrich Heindl (ENERTRAG) zeigte in seinem Best-Practice-Impuls, wie Verbundkraftwerke als Bausteine der Energiewende fungieren können. Karin Wiesinger (Innovation in Politics Institute) beleuchtete die oft unterschätzte Bedeutung von Dialog und Vertrauen in Infrastrukturprojekten.

Biomethan: Vom Nischenprodukt zum Systembaustein

Am Nachmittag stand „Biomethan: Potenziale, Hürden und Hebel“ im Fokus. Julian Auderieth (European Renewable Gas Registry), Bengt Bergt (Biomethan-Taskforce), Bernhard Karnthaler (EVN Biogas), Lorenz Strimitzer (Servicestelle Erneuerbare Gase) und Marie-Theres Thöni (BMWET) diskutierten Marktstatus, Zertifizierung und europäische Integration.

Als zentrale politische Handlungsfelder kristallisierten sich heraus: Investitionssicherheit schaffen und langfristige Förderstabilität gewährleisten, das Erneuerbaren-Gase-Gesetz rasch beschließen, Herkunftsnachweise vereinfachen und dabei die Glaubwürdigkeit sichern, Biomethan stärker in Industrie- und Energiepolitik verankern sowie die europäische Marktintegration vorantreiben.

Gottfried Steiner (CEGH) stellte die CEGH GreenGas Platform vor, Benedikt Hasibar (RAG) präsentierte das RAG Energy Valley Gampern als Beispiel dafür, wie regionale Projekte Innovation und Versorgungssicherheit verbinden können.

Polittalk: Welche Entscheidungen jetzt zählen

Im abschließenden Polittalk „Zwischen Aufbruch und Umbruch: Welche energiepolitischen Entscheidungen jetzt zählen“ diskutierten Karin Doppelbauer (NEOS), Lukas Hammer (Grüne), Paul Hammerl (FPÖ), Laurenz Pöttinger (ÖVP) und Alois Schroll (SPÖ) die nächsten Schritte, um Strategien in Investitionen zu überführen.

Drei Kernbotschaften prägten die Debatte: Unternehmen investieren dort, wo Rahmenbedingungen planbar sind – die größte Bremse bleibt Unsicherheit. Über die Zielerreichung 2040 entscheiden die Infrastruktur-, Markt- und Regulierungsentscheidungen dieser Legislaturperiode. Und die strategische Priorisierung der Einsatzfelder für grünen Wasserstoff, insbesondere in der Industrie und bei Hochtemperaturprozessen, ist entscheidend für eine effiziente Transformation.

Polittalk mit Martin Szelgrad (Moderation), Alois Schroll (SPÖ), Paul Hammerl (FPÖ), Laurenz Pöttinger (ÖVP), Karin Doppelbauer (NEOS) und Lukas Hammer (Grüne)

Ausblick und Sommerfest

Den Abschluss bildete ein Ausblick von Peter Weinelt und Stefan Wagenhofer. Der Tag endete mit einem Sommerfest im Innenhof des Palais Niederösterreich, mit Musik und Gelegenheit zum Austausch unter freiem Himmel.